IMG-20150715-WA0008Viele von euch haben sich bestimmt schon gefragt, warum ich auf jedem Foto ein Kopftuch trage.

Nein, ich habe keine Chemo Therapie hinter mir, was die meisten Menschen zuerst annehmen.

Wenn sie sich dann trauen mich zu fragen, werden sie sofort, nach den anfänglich bemitleidenden Blicken, eines besseren belehrt.
Ich leide seit meinem 14. Lebensjahr unter kreisrundem Haarausfall. Angefangen mit einer 5 Markstück großen kahlen Stelle mit 14, die dann zu meinem Glück wieder vollständig zugewachsen ist, sind mir dann mit dem 18. Lebensjahr die kompletten Kopf und Körperhaare nach und nach, in kreisrunden Herden, ausgefallen.

Das war ein sehr großer Schock für mich. Noch dazu in dem so kritischen Alter. So sehr habe ich mich gefreut endlich 18 zu sein und machen zu können was ich wollte und dann das. Das Gegenteil passierte, ich zog mich mehr und mehr, äußerlich, sowie innerlich, zurück. Anfangs habe ich es nicht wahrhaben wollen und versuchte krampfhaft jede kahle Stelle mit meinen noch vorhandenen Rest Haaren zu überdecken. Irgendwann war auch das nicht mehr möglich und ich freundete mich nach und nach mit dem Gedanken an, eine Perücke tragen zu müssen. Wenn dann musste es eine Echthaarperücke sein, denn so einen „Kunsthaar Schrubber“ wollte ich mir nicht auf den Kopf setzen, hatte ich mir geschworen. Doch die ich im Spiegel sah war nicht die Miriam die ich kannte. Es waren asiatische Haare und für meinen schmalen Kopf viel zu dick. Zu meinem Glück blieb mir nichts anderes übrig als sie zu tragen, zudem ich bei der Krankenkasse lange darum kämpfen musste, bis sie die Kosten, für diese nicht so billige Perücke, übernommen haben.

Leider ist die Ursache dieser Autoimmunerkrankung noch nicht bekannt, sodass ich nur hoffen kann, dass meine Haare einfach eines Tages wieder anfangen zu wachsen. Nach vielem ausprobieren mit Shampoos, Cremes, Knoblauchtherapie……entschied ich mich für eine Therapie in Erlangen bei der auf den Kopf wöchentlich ein Mittel aufgetragen wird, dass die Haare anregen sollen, ihr Wachstum wieder aufzunehmen. Zum Teil ist es auch geglückt, der Hinterkopf allerdings blieb von Haaren verschont. Als trotz dieser Therapie meine vorhandenen Haare sich wiedermal verabschiedeten, reichte es mir und ich brach die Therapie ab. Ich sagte zu mir, entweder ganz oder dann eben gar keine Haare. Ein Mittelding gab es für mich nicht mehr!

Mittlerweile entdeckte ich auch meine Liebe zu Tüchern. Ich legte meine Perücke in die Ecke und fing an mir jeden Tag meinen „Turban“ zu binden. Damit konnte ich mich sehr schnell anfreunden. Vor allem passt es sehr gut zu mir und zu meinem alternativen Kleidungsstil. Ja so mochte ich mich immer mehr und mehr. Auch konnte ich mich im Spiegel endlich „wiederentdecken“.

Nach vielen Höhen und Tiefen arrangierte ich mich mit meiner Krankheit, obwohl man von Krankheit ja nicht wirklich sprechen kann, da ich ja „Gott sei Dank“ körperlich völlig gesund und fidel bin. Ich fing langsam wieder an mich hinaus ins Leben zu wagen und es mit vollen Zügen zu genießen. Freu mich, wenn Menschen mich ansprechen und sich für mich interessieren. Ein Lächeln zaubert es mir ins Gesicht wenn sie mir sagen, wie gut mir doch das Tuch steht:-)

Heute gehe ich ganz offen mit meinem „Schönheitsmakel/merkmal“ um.

Ich sage mir immer, ich wäre heute nicht der Mensch der ich jetzt bin, wenn mich diese Krankheit nicht ereilt hätte.

Ich liebe mich genau so wie ich bin!